Die wichtigsten Fragen auf einen Blick

Abitur, Ausbildung und Studium mit einer Einschränkung – ja das geht!

 Alina hat SMA – kein Grund für sie, nicht trotzdem eine „normale“ Schule zu besuchen und nach der Ausbildung noch neben dem Beruf zu studieren.

Für mich war es schon immer wichtig, so normal wie möglich mit meinem Leben umzugehen. Natürlich bringt eine Behinderung Herausforderungen mit sich, aber das bedeutet nicht, dass es unmöglich ist, an einem normalen Alltag teilzuhaben.

Meine Schulzeit

Ich wollte schon immer in eine normale Schule gehen. Schließlich habe ich keine geistige Einschränkung. Ich dachte, versuchen kann ich es und falls es nicht funktioniert, kann ich immer noch wechseln. Also bin ich nach meiner Grundschulzeit auf ein Gymnasium gegangen. Das Gymnasium in meinem dazugehörigen Stadtteil war leider nicht barrierefrei. Somit blieb nur die Wahl für das andere Gymnasium in der Stadt. Das bedeutete für mich, dass meine Freunde aus der Grundschule nicht mehr bei mir waren. Einerseits war es schade, aber ich habe auf der neuen Schule viele Freunde gefunden und auch einige sehr enge Freunde fürs Leben. Daher war es für mich eine wunderschöne Schulzeit, die ich nicht vergessen werde. Tatsächlich war ich die erste Schülerin mit einer Einschränkung in dieser Schule. Doch sowohl die Lehrkräfte als auch meine Mitschülerinnen und -schüler waren alle sehr verständnisvoll und haben mich als normal angesehen.

Natürlich benötigt man mit SMA Hilfe im Alltag und somit auch Assistenzkräfte. Jeder hat eigene Bedürfnisse und braucht unterschiedliche Unterstützung. Mir ist es möglich, handschriftlich zu schreiben. Aber einen Ordner heben oder Dinge in den Rucksack einräumen kann ich nicht. Auch bei körperlichen Sachen, wie dem An-/Ausziehen der Jacke, benötige ich Hilfe. In all diesen Situationen haben mir Assistenzkräfte in der Schule geholfen. Hier habe ich so einige Erfahrungen gemacht. Egal ob in der Schule oder im Beruf. Mit einigen hat das Zwischenmenschliche gepasst und ich bin heute noch in Kontakt. Aber es gab auch das Gegenteil. Wenn die Chemie nicht stimmt, ist es schwierig, sich damit zufrieden zu geben. Beispielsweise, wenn es zu einem Ausfall kam, war das Motto: Improvisation. Ich bin generell entspannt und nehme Situationen wie sie kommen, aber natürlich nerven diese Dinge. Sowohl für Assistenzkräfte in der Schule als auch im Beruf, habt den Mut und sagt auch mal, wenn es nicht klappt. Natürlich ist die Suche nach guten Assistenzkräften mühsam, aber es lohnt sich, jemanden zu finden, mit dem man im Alltag klarkommt.

Was ich Euch mitgeben möchte: Alles ist möglich. 

Meine Ausbildung zur Bürokauffrau

Nach meinem Abitur habe ich mich entschieden, erstmal eine Ausbildung zu machen. In der Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement bin ich in einigen Abteilungen im Rathaus gewesen und habe viele Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche bekommen. Nach meiner Bewerbung wurden alle Details zwischen meinem Arbeitgeber und mir besprochen. Unterstützung bekommt man hier vom Integrationsfachdienst und der Agentur für Arbeit. Diese helfen einem bei der Antragstellung für Hilfsmittel, Assistenzkräfte und viele weitere Dinge. Das Rathaus hat drei Aufzüge, sodass ich überall hinkomme. Bürotische sind höhenverstellbar und falls Dinge geändert werden müssen, ist dies problemlos möglich. Da mir die Kraft fehlt, z.B. für das Tackern, habe ich einen elektrischen Tacker bekommen. Für alles Schwierige, wie große Pläne drucken, Dokumente stempeln und abheften etc., bekomme ich Hilfe von der Assistenzkraft. Des Weiteren wurde vereinbart, dass ich meine Arbeitszeit in Teilzeit mache. So blieb mir auch für private Termine, Lernen und Freizeitaktivitäten genügend Zeit.

Fernstudium zur Kommunikationsdesignerin

Nach meiner Ausbildung wurde ich übernommen und seitdem arbeite ich in Teilzeit im Rathaus. Zuständig bin ich im Sachgebiet des geografischen Informationssystems. Die Datenverarbeitung zur gesplitteten Abwassergebühr, das Einpflegen von Daten zu Bebauungsplänen gehört hier unter anderem dazu. Teilweise telefoniere ich mit Bürgern und arbeite viel mit Kollegen zusammen. Meine Vorgesetzten und Kollegen haben mich alle sehr nett aufgenommen. Ich kann spontan Homeoffice machen und bekomme auch von Kollegen viel Unterstützung. Ich sage immer: Im Beruf sind tolle Kollegen sehr wertvoll, wodurch die Arbeit Spaß macht. Dennoch wollte ich mit meiner beruflichen Laufbahn noch etwas anderes machen. Nach längerem Informieren habe ich mich für ein Fernstudium entschieden. Da ein normaler Unialltag mit SMA schwieriger wäre, fand ich diese Möglichkeit perfekt. Es ist auch im Teilzeitmodell möglich, sodass ich nebenher im Rathaus arbeite und mir das Studium finanziere. Leider gibt es in diesem Fall keine staatliche Unterstützung, da bei Berufstätigkeit das nicht geht. Jedoch war es mir das wert. Mit dem Studiengang Kommunikationsdesign kann ich mein Hobby zum Beruf machen. Mir macht das Lernen viel Spaß und ich finde die Inhalte sehr interessant. Bei diesem Fernstudium ist alles frei einteilbar. Es gibt keine festen Vorlesungen. Das heißt, die Inhalte sind alle schriftlich in Skripten. Diese arbeitet man durch und wird dabei unterstützt von Lernvideos und freiwilligen Lern-Sessions mit Tutoren. Klausuren sind komplett online 24/7 möglich. Da es ein kreativer Studiengang ist, gibt es nicht so viele Klausuren, sondern viele kreative Abgaben und Hausarbeiten. Es gibt auch längere Projekte, wo wir uns mit Kommilitonen austauschen können und uns gegenseitig unterstützen. In so einem Fernstudium braucht man viel Disziplin, was vielleicht nicht für jeden in Frage kommt. Aber mir macht es total viel Spaß und ich bin sehr froh, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe. 

 

Was ich Euch mitgeben möchte: Alles ist möglich. Natürlich sind viele Dinge nicht immer so einfach, aber eine Einschränkung ändert nichts an Träumen oder unserem eigenen – trotzdem normalen Leben.

 

Kreatives Bild von Alina

Inhaltlich geprüft am 03.09.2025: M-DE-00026963